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peterpur

email, gesendet an all@informatics am 15.1.2013

liebe kolleginnen und kollegen,

am 11. januar ist aaron schwartz gestorben. ich würde gerne ein paar minuten ihrer zeit beanspruchen, um auf die relevanz seiner arbeit für die wissenschaft einzugehen. 

aaron swartz war sw-entwickler und hacktivist. bereits im alter von 14 jahren entwarf er gemeinsam mit anderen die erste version von RSS und schaffte damit einen standard, der die entwicklung des internet nachhaltig beeinflusste. 

wesentliche spuren hinterließ aaron swartz, wenn es um die frage des freien zugangs zu (freier) information geht. so lud er beispielsweise in großer zahl gerichtsdokumente aus einer datenbank herunter, deren zugang zwar kostenpflichtig war, deren inhalt jedoch aus gemeinfreien informationen bestand, und stellte diese daten frei zur verfügung. damit erregte er zwar den ärger der betreiber - und interessanterweise auch der staatsanwaltschaft - obwohl der vorgang vollkommen legal war.

in den letzten jahren hat er vor allem dadurch aufsehen erregt, dass er die auf JSTOR kostenpflichtigen artikel unter ausnutzung eines kostenlosen zugangs am MIT in großer zahl heruntergeladen hat. für dieses vorgehen wurde er unter anwendung der terror-gesetzgebung verfolgt. die motivation für sein handeln war über jeden zweifel erhaben klar: er wollte freien zugang zu diesen texten schaffen. 

wissenschaft, das wissen wir alle, funktioniert am besten, wenn information für alle zugänglich ist und ein offener austausch stattfinden kann. wir alle profitieren davon, wenn wissenschaftliche texte frei zur verfügung stehen. 

dennoch wurde er von der staatsanwaltschaft mit aller möglichen härte des gesetztes als terrorist (!) verfolgt und mit 35 jahren haft und millionen dollar strafe bedroht. dieses szenario war es wohl auch, das den schon vorher depressiven aaron swartz zum selbstmord gebracht hat: »driven to the edge by what a decent society would only call bullying« [cory doctorow]. 

in einer form des erinnerns und des protests haben wissenschaftler in aller welt begonnen, sämtliche selbst verfassten wissenschaftlichen texte freiwillig und kostenlos auf der eigenen webseite zur verfügung zu stellen, ungeachtet eventueller verpflichtungen gegenüber publishern. ich möchte ihnen zum abschluss dieser mail nahelegen, ähnliche schritte zu setzen. 

es war schon seit einiger zeit deutlich sichtbar, wie dringend wir eine veränderung in der wissenschaftlichen publikationslandschaft brauchen: weg von publishern, die uns für die wissenschaftliche reputation teuer bezahlen lassen, hin zu offenen, kooperativen und ausschliesslich an wissenschaftlichen bedürfnissen orientierten modellen. 

mfg
peter purgathofer

ps: anbei zwei links für die weitere beschäftigung mit der sache: 
Reposted bylegba7gangmanshallown0gylem235fbrDevaschlingelcygenb0ckSpinNE555coloredgrayscalealphabetverschwoererstefan2904madgyverbauernlinemihaicontinuumaspargillusevabliskuromofog33kyhanseTokei-IhtostormssofiasRekrut-KvolldostL337hiumarestondevloqueiambabsigroeschtl

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